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AutoDJ einrichten: So sendet dein Webradio rund um die Uhr

AutoDJ einrichten: So sendet dein Webradio rund um die Uhr

Ein AutoDJ übernimmt die Musikauswahl, wenn du nicht live sendest. Damit läuft dein Webradio durchgehend — ohne dass du nachts um drei Titel nachschieben musst.

Bastian Jobst Bastian Jobst · Veröffentlicht 20.06.2026 · Stand Juni 2026

Ein AutoDJ übernimmt die Musikauswahl, wenn du nicht live sendest. Damit läuft dein Webradio durchgehend, ohne dass du nachts um drei Titel nachschieben musst.

Was ein AutoDJ macht (und was nicht)

Ein AutoDJ ist eine Software, die Musikdateien nach festgelegten Regeln abspielt und an deinen Streaming-Server schickt. Du legst fest, welche Playlists wann laufen, wie oft sich Titel wiederholen dürfen und wie Übergänge klingen. Der Rest läuft automatisch.

Was er nicht macht: spontan auf Hörer-Wünsche reagieren, Wetter ansagen oder Nachrichten vorlesen. Dafür brauchst du Live-Moderation oder vorproduzierte Elemente.

Für die meisten Webradios ist der AutoDJ die Basis. Live-Sendungen sind Ausnahme.

Zwei Wege: Stream-Hoster oder eigene Lösung

Stream-Hoster mit integriertem AutoDJ (z. B. Laut.fm, Radionomy, Airtime Pro) liefern alles aus einer Hand. Du lädst Musik hoch, legst Playlists an, fertig. Die Software läuft auf deren Servern. Vorteil: keine technische Bastelei. Nachteil: weniger Kontrolle über Details wie Normalisierung oder komplexe Rotationslogik.

Eigene Lösung mit Liquidsoap oder AzuraCast gibt dir volle Kontrolle. Liquidsoap ist eine Skriptsprache für Audio-Streaming, AzuraCast ein Web-Interface drumherum. Du installierst beides auf einem eigenen Server (VPS ab ca. 5 Euro/Monat). Vorteil: du bestimmst jede Regel selbst. Nachteil: Einarbeitungszeit und Server-Verwaltung.

Mein Tipp: Wenn du gerade erst startest, nimm einen Hoster mit AutoDJ. Später kannst du immer noch auf AzuraCast wechseln. Den Einstieg findest du in unserem Guide Webradio erstellen.

Playlist-Rotation sinnvoll planen

Eine durchdachte Rotation verhindert, dass alle drei Stunden derselbe Song läuft. Das Prinzip: Kategorien statt einer großen Playlist.

Kategorien anlegen: Teile deine Bibliothek in A-, B- und C-Rotation. A-Rotation = aktuelle Hits oder Lieblingssongs (spielen häufiger), B-Rotation = solides Repertoire (mittlere Häufigkeit), C-Rotation = Deep Cuts oder ältere Titel (seltener). Manche AutoDJs nennen das "Heavy", "Medium", "Light".

Wiederholungs-Sperren setzen: Ein Titel aus der A-Rotation sollte frühestens nach 2–3 Stunden wieder laufen, B-Rotation nach 4–6 Stunden, C-Rotation nach 8+ Stunden. Die meisten AutoDJs bieten "Separation Rules" oder "Repeat Protection" dafür.

Artist-Separation: Verhindere, dass zwei Songs desselben Künstlers direkt hintereinander laufen. Setz die Sperre auf mindestens 1 Stunde.

Beispiel-Setup für einen Indie-Rock-Sender:

  • A-Rotation: 80 Titel (aktuelle Alben von Arctic Monkeys, The National, Fontaines D.C.)
  • B-Rotation: 200 Titel (Klassiker von Radiohead, Pavement, Pixies)
  • C-Rotation: 150 Titel (Deep Cuts, B-Seiten, Raritäten)

Die A-Rotation läuft alle 2 Stunden einmal durch, B alle 5–6 Stunden, C einmal am Tag.

Crossfading und Übergänge

Harte Schnitte zwischen Songs klingen nach Playlist, nicht nach Radio. Crossfading blendet den nächsten Titel ein, während der vorherige ausklingt.

Crossfade-Dauer: 3–5 Sekunden sind Standard. Kürzer wirkt hektisch, länger matschig. Bei ruhiger Musik (Jazz, Ambient) kannst du auf 6–8 Sekunden gehen.

Fade-Out am Titelende: Lass Songs nicht abrupt enden. Ein 2–3 Sekunden Fade-Out am Ende jedes Titels macht Übergänge geschmeidiger, auch wenn der nächste Song erst nach einem Jingle kommt.

Normalisierung: Sorge dafür, dass alle Titel ähnlich laut sind. AzuraCast und die meisten Hoster bieten automatische Lautstärke-Anpassung (ReplayGain oder Loudness Normalization). Sonst klingt nach einem leisen Indie-Track plötzlich ein übersteuert gemasterter Pop-Hit.

Liquidsoap-Nutzer können das per `normalize`-Operator im Skript regeln. Fummelarbeit, aber es lohnt sich.

Jingles und Stationidentifikation einbinden

Jingles machen aus einer Playlist einen Sender. Sie erinnern Hörer daran, wo sie gerade sind.

Jingle-Kategorien: Lege separate Playlists für Station-IDs ("Du hörst XY Radio"), Werbespots (falls du welche hast) und Übergangs-Jingles (kurze Soundeffekte) an.

Rotation-Logik: Ein Station-ID sollte alle 20–30 Minuten laufen, nicht nach jedem Song. Die meisten AutoDJs bieten "Scheduled Playlists" an. Du legst fest, dass alle X Minuten ein Jingle eingespielt wird.

Länge beachten: Station-IDs sollten unter 10 Sekunden bleiben. Längere Ansagen nerven, wenn sie zu oft kommen.

Beispiel-Setup:

  • Alle 25 Minuten: Station-ID (5–8 Sekunden)
  • Alle 60 Minuten: Wetter-Jingle oder Programm-Hinweis (15–20 Sekunden)
  • Zwischen manchen Songs: kurzer Soundeffekt (2–3 Sekunden)

In AzuraCast kannst du Jingles als "Playlist" mit Typ "Jingles" anlegen und per "Schedule" steuern. Bei Liquidsoap schreibst du das ins Skript:

``` radio = rotate(weights=[1,5], [jingles, music]) ```

Das spielt nach jedem fünften Song einen Jingle.

Häufige Fehler (und wie du sie vermeidest)

Zu kleine Bibliothek: Mit 50 Songs klingt dein Sender nach Dauerschleife. Minimum sind 200–300 Titel für einen 24/7-Betrieb. Besser: 500+.

Harte Übergänge: Kein Crossfade, kein Fade-Out klingt nach Winamp-Playlist. Nimm dir 10 Minuten für die Crossfade-Einstellungen.

Zu viele Jingles: Alle 5 Minuten "Du hörst Radio XY!" ist Spam. Alle 20–30 Minuten reicht.

Keine Artist-Separation: Zwei Songs von Radiohead hintereinander? Passiert, wenn du die Sperre nicht setzt.

Lautstärke-Chaos: Ein leiser Jazz-Track, dann ein übersteuert gemasterter EDM-Banger. Normalisierung ist Pflicht.

Keine Backups: Dein Server crasht, die Playlist ist weg. Exportiere regelmäßig deine Playlists und Einstellungen.

Testen, bevor du live gehst

Lass den AutoDJ 24 Stunden im Testmodus laufen, bevor du den Stream öffentlich schaltest. Hör rein, ob:

  • Übergänge sauber klingen
  • Jingles zur richtigen Zeit kommen
  • Keine Titel zu oft wiederholt werden
  • Die Lautstärke konsistent ist

Mach dir Notizen und justiere nach. Ein AutoDJ ist nie "fertig". Du wirst immer wieder Kleinigkeiten anpassen.

Weiterführende Schritte

Sobald der AutoDJ stabil läuft, kannst du Live-Sendungen einbauen. Die meisten Systeme erlauben, dass ein Live-Stream den AutoDJ unterbricht. In AzuraCast legst du dafür einen "Live DJ"-Account an, bei Liquidsoap nutzt du `input.harbor`.

Du kannst auch zeitgesteuerte Playlists einrichten: morgens ruhigere Musik, abends energiegeladene Tracks. Oder thematische Stunden ("80s Power Hour" jeden Freitag um 20 Uhr).

Der AutoDJ ist das Rückgrat deines Senders. Investiere Zeit in die Einrichtung. Es zahlt sich aus, wenn dein Stream monatelang ohne Aussetzer läuft.

Häufige Fragen

Brauche ich einen eigenen Server für einen AutoDJ?
Nein. Stream-Hoster wie Laut.fm, Radionomy oder Airtime Pro haben einen AutoDJ eingebaut. Du lädst Musik hoch, legst Playlists an, fertig. Ein eigener Server mit AzuraCast oder Liquidsoap gibt dir mehr Kontrolle, ist aber optional.
Wie viele Songs brauche ich mindestens für 24/7-Betrieb?
Minimum 200–300 Titel, besser 500+. Mit 50 Songs hörst du jeden Track mehrmals am Tag. Je größer die Bibliothek, desto abwechslungsreicher der Stream.
Was ist der Unterschied zwischen A-, B- und C-Rotation?
A-Rotation = Hits oder aktuelle Favoriten, laufen häufiger. B-Rotation = solides Repertoire, mittlere Häufigkeit. C-Rotation = Deep Cuts oder ältere Titel, seltener. So verhinderst du, dass alle Songs gleich oft wiederholt werden.
Wie oft sollte ein Station-ID laufen?
Alle 20–30 Minuten reicht. Öfter nervt, seltener vergessen Hörer, wo sie sind. Halt die IDs unter 10 Sekunden — kurz und prägnant.
Kann ich Live-Sendungen und AutoDJ kombinieren?
Ja. Die meisten Systeme erlauben, dass ein Live-Stream den AutoDJ unterbricht. In AzuraCast legst du einen Live-DJ-Account an, bei Liquidsoap nutzt du input.harbor. Sobald die Live-Sendung endet, übernimmt der AutoDJ wieder.
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