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Webradio erstellen — was es wirklich braucht, was es wirklich kostet

Die Technik für ein eigenes Webradio ist ein Wochenendprojekt. Server mieten, Software einrichten, erster Stream läuft — das schaffen auch Leute, die noch nie eine Kommandozeile gesehen haben. Die eigentlichen Fragen kommen danach: Welcher Hosting-Weg passt zu deinem Projekt, was wollen GEMA und GVL von dir, und wie findest du Hörer, wenn dich noch niemand kennt? Genau die beantwortet dieser Guide — ohne Schönfärberei.

Die drei Wege zum eigenen Sender

Es gibt nicht den einen richtigen Weg, sondern drei mit unterschiedlichen Kompromissen. Welcher passt, hängt davon ab, wie viel Kontrolle du willst und wie viel Verwaltung du erträgst.

Plattform (laut.fm)

Kostenlos, GEMA und GVL übernimmt die Plattform. Dafür sendest du in deren System: kein eigener Stream im rechtlichen Sinn, Plattformregeln, manchmal Warteliste. Der beste Einstieg, wenn du erst mal herausfinden willst, ob dir Radiomachen überhaupt liegt.

Stream-Hoster

5 bis 20 Euro im Monat für einen fertigen Icecast- oder Shoutcast-Server mit AutoDJ und Web-Oberfläche. Eigene Stream-URL, eigenes Programm, volle Freiheit. Die Musiklizenzen meldest du selbst an — das ist der Preis der Unabhängigkeit.

Eigener Server (AzuraCast)

Ein VPS ab etwa 5 Euro plus AzuraCast, eine kostenlose Open-Source-Oberfläche, die Streaming-Server, AutoDJ und Statistiken bündelt. Maximale Kontrolle, aber du bist auch der Admin, wenn nachts um drei der Stream hängt.

Den ausführlichen Vergleich der drei Wege mit allen Vor- und Nachteilen gibt es im Artikel laut.fm, Stream-Hoster oder eigener Server?

Die Technik: Server, Encoder, AutoDJ

Jedes Webradio besteht aus drei Teilen. Der Streaming-Server (Icecast oder Shoutcast) nimmt dein Audiosignal entgegen und verteilt es an die Hörer. Der Encoder auf deinem Rechner schickt das Signal dorthin — für Live-Sendungen reicht das kostenlose BUTT, wer auflegt, nimmt Mixxx oder mAirList. Und der AutoDJ übernimmt, wenn du nicht live bist: Er spielt deine Musikbibliothek nach Planung ab, rund um die Uhr.

Bleibt die Frage Icecast oder Shoutcast. Kurzfassung: Icecast ist Open Source, aktiv gepflegt und kann alles, was du brauchst. Shoutcast ist der ältere Name mit der größeren Nostalgie. Die Langfassung mit den technischen Unterschieden steht im Vergleich Shoutcast oder Icecast?

Der Teil, den fast alle unterschätzen: GEMA und GVL

Hier scheitern mehr Webradio-Projekte als an der Technik. Sobald du urheberrechtlich geschützte Musik sendest, brauchst du zwei Lizenzen: eine von der GEMA (für Komponisten und Textdichter) und eine von der GVL (für ausübende Künstler und Labels). Beide, nicht eine von beiden — das wird gern verwechselt.

Die gute Nachricht: Für kleine Webradios gibt es Pauschaltarife, die das Ganze planbar machen. Die weniger gute: Die Tarife ändern sich, hängen von Hörerzahlen und Sendeumfang ab, und die Anmeldung kostet etwas Geduld mit Formularen. Welche Tarife es gibt, wie die Anmeldung abläuft und wo die Fallstricke liegen, steht im Artikel Was kostet ein Webradio? GEMA, GVL und die ehrlichen Zahlen.

Eine Rundfunklizenz brauchst du übrigens nicht. Internetradio ist in Deutschland zulassungsfrei — es reicht eine Anzeige bei der Landesmedienanstalt deines Bundeslands. Das ist ein Formular, keine Prüfung.

Vom Plan zum ersten Stream — in sieben Schritten

  1. Konzept festlegen: Genre, Zielgruppe, Live-Anteil. "Ich spiele, was mir gefällt" ist ehrlich, aber als Programm schwer zu vermarkten.
  2. Weg wählen: Plattform, Hoster oder eigener Server (siehe oben).
  3. Lizenzfrage klären: Bei laut.fm erledigt, sonst GEMA und GVL anmelden — vor dem Sendestart, nicht danach.
  4. Landesmedienanstalt informieren: Formlose Anzeige, einmalig.
  5. Technik einrichten: Server, Encoder, AutoDJ mit Musikbibliothek. Ein Nachmittag, wenn die Anleitung des Hosters etwas taugt.
  6. Probelauf: Eine Woche senden, Stream auf verschiedenen Geräten testen, Bitrate prüfen. 128 kbit/s ist das Minimum, das nicht nach Blechdose klingt.
  7. Sichtbar werden: Sender in Verzeichnisse eintragen, allen voran natürlich bei uns. Dann erst Social Media.

Hörer gewinnen — der eigentliche Endgegner

Der Stream läuft, die Playlist sitzt, und dann: Stille im Hörer-Counter. Das ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Tausende Webradios konkurrieren um Aufmerksamkeit, und niemand sucht nach einem Sender, dessen Namen er nicht kennt. Neue Hörer kommen am Anfang fast ausschließlich über Verzeichnisse und Genre-Listen — also dort, wo Menschen ohnehin nach Musikrichtungen stöbern.

Was dort funktioniert, was Social Media realistisch bringt und warum ein vollständiges Senderprofil mehr Klicks holt als jede Werbeaktion, steht im Artikel Hörer gewinnen für dein Webradio.

Häufige Fragen zum Webradio-Start

Wie viel kostet ein eigenes Webradio im Monat?

Zwischen null und etwa 50 Euro, je nach Weg. Über laut.fm sendest du kostenlos, weil die Plattform die Musiklizenzen übernimmt. Mit eigenem Stream-Hosting zahlst du 5 bis 20 Euro für den Server — der größere Posten sind dann GEMA und GVL. Die Technik ist fast nie das Teure.

Brauche ich eine Sendelizenz wie ein UKW-Sender?

Nein. Hörfunk über das Internet ist seit dem Medienstaatsvertrag zulassungsfrei — du musst dein Programm nur bei der zuständigen Landesmedienanstalt anzeigen, das ist ein Formular und keine Hürde. Die eigentliche Pflicht liegt woanders: Musiklizenzen bei GEMA und GVL, sobald du geschützte Musik sendest.

Kann ich über laut.fm wirklich kostenlos senden?

Ja. laut.fm übernimmt GEMA- und GVL-Abgaben für alle Stationen auf der Plattform. Im Gegenzug sendest du innerhalb von deren System: eigene Stream-URL gehört der Plattform, es gibt Regeln fürs Programm und gelegentlich eine Warteliste für neue Stationen. Für den Einstieg ist das trotzdem der mit Abstand günstigste Weg.

Welche Software brauche ich zum Senden?

Für Live-Sendungen reicht BUTT (broadcast using this tool) — kostenlos, verbindet dein Mikrofon und deine Musik mit dem Streaming-Server. Wer auflegen will, nimmt Mixxx, ebenfalls kostenlos. Für 24/7-Betrieb ohne Live-Moderation übernimmt ein AutoDJ beim Hoster oder Liquidsoap auf dem eigenen Server.

Wie viele Hörer verkraftet mein Stream?

So viele, wie dein Hosting-Paket Slots hat. Stream-Hoster verkaufen nach gleichzeitigen Hörern: 50, 100, 500. Jeder Hörer kostet Bandbreite, deshalb skaliert der Preis mit. Für die meisten neuen Webradios reichen 50 Slots lange — die ehrliche Wahrheit ist, dass die ersten Monate eher das Problem haben, überhaupt Hörer zu finden.

Wie kommt mein Sender in Verzeichnisse wie Radiodienste?

Eintragen, kostenlos. Bei Radiodienste legst du im Sender-Login ein Profil an, hinterlegst Stream-URL, Logo und Beschreibung — danach taucht dein Sender im Verzeichnis und in den passenden Genre-Listen auf. Verzeichnisse sind für neue Webradios die wichtigste Quelle für erste Hörer.

Dein Webradio läuft schon?

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