← Zurück zu allen Ratgebern
Was kostet ein Webradio? GEMA, GVL und die ehrlichen Zahlen

Was kostet ein Webradio? GEMA, GVL und die ehrlichen Zahlen

Die Technik für ein Webradio kostet weniger als zwei Kinokarten im Monat. Teuer wird es woanders: bei den Musiklizenzen. Hier steht, womit du realistisch rechnen musst — und wo die legale Null-Euro-Abkürzung liegt.

Bastian Jobst Bastian Jobst · Veröffentlicht 11.06.2026 · Stand Juni 2026

Wer "Webradio Kosten" googelt, findet vor allem zwei Sorten Antworten: Hoster, die mit 4,99 Euro werben, und Foren-Threads von 2011. Beides hilft nur begrenzt weiter. Also einmal sauber sortiert, Posten für Posten.

Die Technik: der kleinste Posten

Ein fertiger Streaming-Server beim Hoster kostet zwischen 5 und 20 Euro im Monat, abhängig von Hörer-Slots und Bitrate. Wer selbst hostet, mietet einen VPS ab etwa 5 Euro und installiert AzuraCast — die Software selbst ist kostenlos. Encoder wie BUTT und DJ-Programme wie Mixxx: ebenfalls kostenlos.

Halten wir fest: Die komplette Technik eines kleinen Webradios kostet im Jahr so viel wie ein einziges Konzertticket. Wenn dir jemand erzählt, Webradio sei an der Technik teuer, hat er seit 2005 keine Preise mehr angeschaut.

GEMA: die erste Lizenz

Sobald du urheberrechtlich geschützte Musik sendest, brauchst du eine Lizenz der GEMA. Sie vertritt Komponisten und Textdichter — also die Leute, die die Songs geschrieben haben.

Die Tarifhöhe hängt von mehreren Faktoren ab: ob dein Sender kommerziell ist, wie viele Menschen zuhören und welchen Umsatz du machst. Für kleine Webradios gibt es Pauschaltarife mit Mindestvergütung, die das Ganze planbar machen. Konkrete Zahlen nenne ich hier bewusst nicht, weil die Tarife regelmäßig angepasst werden — die aktuellen Sätze stehen auf gema.de, und nur die zählen. Als Faustregel taugt: Die GEMA kostet ein kleines Webradio im Jahr deutlich mehr als das Hosting.

GVL: die zweite Lizenz — ja, du brauchst beide

Das ist der Punkt, der am häufigsten schiefgeht. Die GEMA deckt die Urheber ab, nicht die Aufnahme. Für die ausübenden Künstler und die Labels ist die GVL zuständig, und die will separat gefragt werden. Wer nur GEMA zahlt, sendet trotzdem nicht legal.

Auch die GVL hat einen eigenen Webradio-Tarif mit jährlicher Abrechnung. Gleiche Empfehlung: aktuelle Konditionen direkt bei gvl.de prüfen, bevor du kalkulierst.

Der legale Null-Euro-Weg

Es gibt ihn wirklich: laut.fm. Die Plattform übernimmt GEMA- und GVL-Abgaben für alle Stationen, die dort senden. Du bekommst eine eigene Station, kostest dich nichts — und akzeptierst dafür die Spielregeln der Plattform. Für alle, die erst mal testen wollen, ob Radiomachen ihr Ding ist, gibt es keinen besseren Deal. Die Details stehen im Hosting-Vergleich.

Drei realistische Szenarien

  • Hobby ohne Risiko: Station bei laut.fm. Kosten: 0 Euro. Einschränkung: Plattformregeln, kein eigener Server.
  • Eigenständig und klein: Stream-Hoster für rund 10 Euro im Monat, dazu GEMA- und GVL-Pauschalen. Die Lizenzen sind hier der mit Abstand größte Posten — kalkuliere sie zuerst, nicht zuletzt.
  • Ambitioniert: Mehr Hörer-Slots, höhere Tarifstufen bei den Verwertungsgesellschaften, eventuell bezahlte Sendesoftware wie mAirList. Spätestens hier lohnt ein Blick auf Einnahmequellen, sonst bleibt es ein teures Hobby.

Was in keiner Kalkulation steht

Die Musik selbst muss legal beschafft sein — die Lizenz erlaubt das Senden, nicht das Beschaffen. Dazu kommen Kleinigkeiten wie Domain und Webseite. Und der ehrlich größte Posten: deine Zeit. Ein Webradio, das nach drei Monaten verwaist, hat am Ende mehr gekostet als jedes Hosting-Paket.

Den kompletten Überblick über alle Schritte vom Konzept bis zum ersten Stream gibt der Guide Webradio erstellen.

Häufige Fragen

→ Weitere Ratgeber ansehen → Radio hören — der Guide